Sigmar und die Pendler

Dienstag, 05. August 2008

Umweltschutz ist ja heutzutage ganz wichtig. Das weiß auch der Sigmar. Und der Sigmar macht sich jeden Tag ganz viel Gedanken wegen der Umwelt. Das treibt ihn um. Das quält ihn. Und so hat er in rhytmischen Abständen immer wieder gute Gedanken. Denkt er. Das muß er aber tun, denn der Sigmar ist unser Bundesumweltminister.

Jetzt gibt’s da ja die Pendlerpauschale. Und der Sigmar macht sich ernst Sorgen um die Bevölkerung. Der soll’s ja nicht schlecht gehen. Und gerecht soll’s im Lande sein. Den Sigmar stört es, daß die Pendler erst ab dem zwanzigsten Kilometer Geld bekommen. Da hat er ja auch Recht. Denn dem Bundesverfassungsgericht liegt dagegen schon ein Klage vor. Der Vorsitzende Richter des sechsten Senats des Bundesfinanzhofs spricht sogar in seiner Begründung von einer “Ungleichbehandlung von Nah- und Fernpendlern”, die so “nicht gerechtfertigt sei”.

Obwohl der Sigmar das weiß, hat er jetzt einen ganz tollen neuen Einfall zur Neuregelung der Pendlerpauschale. Der Sigmar der hat sich jetzt nämlich gedacht, wenn die Pendlerpauschale ab dem zwanzigsten Kilometer so ungerecht ist, sollte man’s vielleicht mal andersrum probieren. Der Sigmar, der ist halt kreativ. Der Sigmar ist eben ein richtiger Querdenker. Da kam der Sigmar jetzt drauf, daß man die Pendlerpauschale zur Abwechslung auch mal deckeln könnte. Die geschundenen Pendler sollen jetzt, Sigmar sei es gedankt, vom ersten Kilometer an die Pendlerpauschale kriegen. Aber ab dem 200. Kilometer soll’s nix mehr geben. Gar nix mehr. Das ist clever, denkt der Sigmar. Der Sigmar sagt auch, daß das vielleicht die bessere Lösung sein könne. Ja und daß seine Eltern, wenn der Arbeitsplatz mal zu weit weg war, einfach so *schwupps* der Arbeit nachgezogen sind. Tja, so war das damals beim Sigmars Eltern. Die waren halt fix und haben den Staat nicht ausgenommen. Leider gab’s damals noch keine Pendlerpauschale und den Staat hat’s ehedem nix gekostet, wenn sie damals immer ihrer Arbeit nachgefahren sind. Die Pendlerpauschale gibt’s nämlich erst seit 2001. Das war ein Einfall der damaligen rot-grünen Bundesregierung. Komisch, daß dem Sigmar aber noch nicht aufgefallen ist, daß seine neue Idee dann die armen Pendler benachteiligt, die mehr als 200 Kilometer am Tag fahren müssen. Also quasi ganz mobil ihrer Arbeit nachfahren müssen. Da ist bestimmt der Mann mit dem lustigen Gewand auch wieder dagegen, wenn die Langstreckenpendler dann so benachteiligt werden. Der arme Sigmar. Jetzt hat er so lang überlegt. Und wieder war’s nix. Als Politiker hat man’s doch auch echt schwer. Und immer ist jemand dagegen.

Das war ja aber noch nicht alles. Der Sigmar, der hat ja noch ein bißchen weitergedacht. Da ist dem Sigmar auch schon klar geworden, daß die Pendlerpauschale so dann viel mehr kostet, wenn er den Pendlern gleich vom ersten Kilometer ein bißchen Geld gibt und die wenigen Langstreckenpendler ein bißchen hängen läßt. Da hat der Sigmar einen Lichtblitz gehabt und der Sigmar empfahl überraschenderweise, “öklogisch unsinnige Stuersubventionen abzubauen”. Das ist doch mal ein Wort!

Da kam der Sigmar drauf, daß es Unternehmer mit so dicken, großen Autos gibt. Die stinken und die brauchen so viel Sprit. Und den Unternehmern macht das ja sicherlich auch nix aus, ein bißchen bei der Gegenfinanzierung der Pendlerpauschale mitzuhelfen. Denkt der Sigmar. Die haben ja so viel Geld, wenn die so dicke Autos fahren. Da kam der Sigmar drauf, daß die Unternehmer keine Geländewägen mehr als Dienstwagen absetzen können sollen. Der Sigmar, der kann das nämlich gar nicht verstehen, daß die Unternehmer so einen Unternehmer-Geländewagen absetzen können, wenn sie den zur Ausübung ihrer Tätigkeit ja gar nicht brauchen. Und der Sigmar hat auch noch festgestellt, daß es in ganz Berlin weit mehr Unternehmer-Dienst-Geländewägen gibt als es überhaupt Förster und Landwirte gibt. Das kann ja nicht sein, denkt sich da der Sigmar. Gerade weil ganz Berlin ja auch so eine richtig traditionelle Agrar- und Forstregion ist, denkt sich wohl nur der Sigmar, und die Unternehmer aus diesen Branchen dort wie die Pilze aus dem Boden sprießen. Ganz schön clever der Sigmar.

Da vergißt der Sigmar gerne schon mal, daß er seinen Politiker-Dienstwagen zur Ausübung seiner Tätigkeit eigentlich ja auch gar nicht braucht. Aber, der Sigmar fährt ja auch keinen klobigen Geländewagen, weil er ja schließlich repräsentieren muß. Und ganz für die Umwelt und die Menschen da sein muß. Und weil ihn sein Politiker-Dienstwagen, im Gegensatz zum Unternehmer-Geländewagen, selbst ja auch nix kostet, ist ihm das auch egal, ob er so einen dicken Politiker-Dienstwagen überhaupt braucht. Komisch, daß dem Sigmar sein Auto aber genau so viel Sprit braucht wie so ein Unternehmer-Geländewagen. Aber, das ist ja was anderes. Der Sigmar hat’s halt auf die Geländewagen abgesehen. Und die Unternehmer. Das ist ja sein Job.

Und der Sigmar, der hat das richtig drauf, so “unsinnige Subventionen” abzubauen. Da baut er eine ab, um mit der anderen das Loch zu stopfen, das er da mal wieder quer in die Republik gerissen hat. Das hat ja Tradition. Da kennt man sich damit aus. In Deutschland. Der Sigmar, der alte Teufelskerl.

Da hat der Sigmar dann grad noch gesehen, daß der Unternehmer seinen Unternehmer-Geländewagen verkauft und stattdessen lieber einen Audi mit zwölf ganz großen und dicken Zylindern bestellt hat. Und dann, dann ist der Unternehmer dem Sigmar einfach davongefahren. Ganz weit weg. So weit weg, daß ihn der Sigmar nie mehr wieder gesehen hat. In Deutschland. Sowas aber auch.

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