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Voll was auf die Waffel!
Am Samstag ging’s zunächst mal nach Heilbronn auf den Flohmarkt. Für mich ist das immer wieder eine Erfahrung der dritten Art, denn mir ist es absolut unverständlich, wie manche Leute mit einem Haufen Schrott Geld machen. Mehr als Grümpel haben die meisten nicht zu bieten. Das Zeug, das hier verkauft wird, würde ich zumindest sofort zum Sperrmüll geben. Aber, was soll’s, ich hab’ mich anderweitig belohnt. Es gab erst mal ein Bällchen Pistazien-Eis voll auf die Waffel. Na, ich weiß nicht, ob’s am Flohmarkt lag, aber das grün-getigerte Etwas in der Waffel schmeckte einfach nur künstlich.
Nach dem Flohmarkt brauchte ich erst mal einen Kaffee. Da ich jetzt wirklich Lust auf ein erstklassiges Eis hatte, war der Beschluß in’s Dellarte zu gehen sehr schnell gefaßt. Das Eis dort schmeckt wirklich sehr gut und was noch wichtiger ist: Das Preis-Leistungsverhältnis stimmt! Zugegeben, es ist nicht zu übertreffen. Spitzenmäßiges Eis mit klasse Geschmack in wahrhaften Eis-Berg-Portionen zu einem lachhaft günstigen Tarif. Wir entschieden uns für die beiden Eisbecher Pina-Colada (links) und Mandarine-Quark (rechts).
Jaaaaaa, so macht das Laune! So macht das Spaß! Wieso einen teueren Urlaub buchen, wenn die Karibik in Heilbronn beim Dellarte auch so hautnah und authentisch durch den Strohhalm quillt? Einfach gigantisch. Die Portionen, ein Traum für Eisfans. Und geschmacklich 1A. Einfach mal selbst ausprobieren!
Danach ging es weiter in die Stadt, zu diversen Konfektionisten, Händlern und Anbietern, denn schließlich laufen ja die Hochzeitsvorbreitungen… Zwischendurch habe ich mir in der Stadtgalerie dann nochmal ein Bällchen Pistazie voll auf die Waffel geknallt. Auch ganz okay als kleiner bissiger Snack zwischendurch. Danach mußte ich noch weiter durchhalten, es standen noch Saturn und Penny auf der Liste. Denn schließlich möchte man ja am Wochenende nicht grad verhungern. In diesem Sinne, gebt Euch doch selbst mal was „voll auf die Waffel!“.
11 comments Sonntag, 24. August 2008
Gastrosoph mit vollem Maul
Da wir ja gerade beim Thema sind, ich glaube, ich bin auf einen Gastrosophen gestoßen. Es ist Herr Fichtner, der in seiner Online-Kolumne „das Maul zu voll genommen“ hat. Seine Devise lautet „weniger ist mehr“ und dies gelte insbesondere für kulinarische Genüsse. Er kommt zu dem Schluß, daß wir alle „besser“ essen müssen, wenn wir weniger essen wollen.
Es ist richtig, wenn Herr Fichtner anmerkt, daß wir „beim Essen eine Befriedigung suchen, bei der die Sättigung nur ein Faktor ist, und vermutlich nicht einmal der entscheidende„. Vollkommen richtig, schließlich suchen die Menschen beim Essen oftmals auch einen außergewöhnlichen Genuß und streben nicht nur nach einem adäquaten Ausgleich verlorener Energiereserven.
Es gibt Menschen, die sich das „bessere“ Essen leisten können und beim Verzehr von zwölf frischen Austern in ekstatische Verzückung gelangen. Diese schaffen es dann auch noch, trotz einer nicht ausreichenden Zufuhr an Kalorien, so richtig „satt“ zu werden. Erfüllt von einem Hochgefühl, einem besonderen Genuß, den sie persönlich schätzen.
Aber, wer sagt, daß man nur das „bessere“ Essen wahrhaft genießen kann? Haben Sie noch niemals Menschen gesehen, die beim Aufsteigen von holzig-würziger Luft bereits schon eine angenehme, innere Unruhe verspüren, alleine nur in der Erwartung, bald schon eine richtig gute Portion frisch vom Grill verspeisen zu dürfen? Ein paar grobe Bratwürstchen, einige fette Scheiben Bauchspeck, vier fette Nackensteaks, zum Alibi ein Gemüse-Grill-Spießchen und lässig in der Hand ein kühles Bier. Und gleich nochmal eins danach. Ist das nicht schön? Haben Sie noch nie Menschen dabei ertappt, die nach einem anstrengenden Tag manchmal gar nicht mehr darauf warten können, sich endlich mal wieder so ein richtig fett-triefendes Ensemble an Fast-Food-Produkten gierig und gedankenlos reinzuschieben? Noch keine Leute gesehen, die beim Duft von frischem Kaffee so derart in Wallung geraten, daß drei breite Stücke Schwarzwälder-Kirsch und ein trockener Streuselkuchen hinterher gar kein Problem darstellen? Denken Sie, all diese Menschen quälen sich wirklich dabei? Denken Sie tatsächlich, diese Leute verspüren keinen wahren Genuß dabei?
Oh ja, es geht beim Essen um viel mehr als um ein Druckgefühl in der Magengegend oder die obligatorische Sättigung. Es geht in der Tat um unseren höchsteigenen, persönlichen Genuß. Manche schaffen das mit einem perfekt blanchierten Karöttchen, die anderen erleben ihre Erfüllung in einer richtig guten Portion, ganz „locker von der Gabel“. Ganz viel, ganz fett, ganz feist.
Komischerweise gesteht Herr Fichtner den Menschen, die sich von qualitativ niedrigwertigeren Speisen ernähren wenigstens zu, daß sie durch ein deutliches „mehr“ davon auch einen ähnlichen Grad an „Sattheit“ oder den gleichen Genuß erreichen können. Nur müssen sie eben viel mehr essen als der Herr an der Austernbar, um endlich den vollkommenen Genuß zu verspüren. Ist das ein versteckter Appell an die „Schlechtesser“ noch mehr reinzuschaufeln, damit der Artikel dann auch wirklich wahr wird?
Nicht alle wollen weniger essen und daher müssen wir glücklicherweise auch nicht alle „besser“ essen. Für die Freunde der Gabel ist der Weg bereits das Ziel. Der Genuß beginnt schon mit der ersten Gabel und hört vielleicht nach der zwölften noch lange nicht auf. Es ist ein dauerhafter, ein anhaltender Genuß, dem man sich hingibt und der bereits mit dem ersten Bissen beginnt. Gibt es nichts schöneres als sich, nach einem schmackhaften Kartoffelsüppchen, durch so ein kleines 500g-Steak und einen ganzen Berg von Beilagen durchzunagen? Gibt es etwas traumhafteres als ein bombastisches Tiramisu, kredenzt mit einem würzigen dunkelschwarzen Espresso? Vielleicht noch ein paar Bällchen Vanille-Eis mit alpin-weiser Schlagsahne und frischen, roten Erdbeeren? Und zur Abrundung des gelungenen Abends vielleicht auch noch einen wunderbaren Williams-Christ? Vielleicht doch noch einen kleinen Punsch-Krapfen und eine Tasse starken Kaffee danach? Kein Problem…
Ich frage mich wirklich, wieso manche Leute denken, „wahrer Genuß“ funktioniert nur mit atomistischen Portionen à la nouvelle cuisine? Hängt es mit dem weit verbreiteten Schlankheits- und Gesundheitswahn zusammen? Oder mit der inzwischen bei vielen Menschen verlernten Fähigkeit, ein Essen überhaupt noch richtig genießen zu können?
Ich gestehe allen ihr blachiertes Karöttchen an einer hauchdünnen Scheibe vom Kobe-Rind zu und freue mich, wenn sie das wirklich genießen können. Denn darum geht es doch wirklich. Dann bitte ich aber auch darum, daß man mich gewähren läßt, während ich mir „locker was auf die Gabel“ schiebe und das Leben in vollen Bissen genieße. Denn, bevor Sie meckern, nehmen Sie doch erst mal was „locker auf die Gabel“!
3 comments Mittwoch, 13. August 2008
Die Lehre von den Freuden der Tafel
Haben Sie schon einmal etwas über die Lehre von der Weisheit des Essens, der Gastrosophie gehört? Diese Begrifflichkeit geht zurück auf Baron Eugen von Vaerst, der im Jahre 1851 das Buch „Gastrosophie oder die Lehre von den Freuden der Tafel“ veröffentlicht hat.
Neben dem Gastrosophen gibt es noch zwei weitere Arten von Feinschmeckern, die Baron Eugen von Vaerst näher beschreibt, nämlich den Gourmet und den Gourmand. Diese beiden sind den meisten wohl schon bekannt. Der Gourmet vermutlicherweise noch etwas mehr als der Gourmand. Wohingegen der Gourmet als sachkundiger Kenner raffinierter Speisen und Getränke gilt, wird dem Gourmand gerne mangelnde Sachkenntnis unterstellt und man bezeichnet ihn oft auch sehr unschmeichelhaft als „Leckermaul“ oder „Vielfraß“. Meist wird verkannt, daß auch der Gourmand ausschließlich seine Freude an qualitativ hochwertigen Speisen hat. Bei ihm darf es dabei aber trotzdem ein bißchen mehr auf der Gabel sein. Der Gourmand mag es eben gerne „gut und reichlich“.
Der Gastrosoph, die dritte Art des Feinschmeckers, erhebt den Genuß von Speisen zu einer eigenen Kunstform und wählt, unter Berücksichtigung der Gesundheit und der „Sittlichkeit“, nur das Beste aus.
Was lerne ich daraus? Es ist völlig klar, daß es von den Dreien der Gastrosoph am schwersten hat. Alleine die profunde Sachkenntnis zu den konsumierten Speisen und Getränken ist nicht ausreichend. Schließlich muß er zusätzlich auch noch gesundheitliche Aspekte und sittliche Kategorien in seine Bewertungen mitenfließen lassen. Das macht es mit dem eigenen, höchstpersönlichen Genuß dann schon bedeutend schwerer. Dauernd muß sich der Arme Gedanken machen, ob das, was er da gerade auf der Gabel balanciert gesund, sittlich genug und auch qualitativ hochwertig ist.
Der Gourmet bescheidet sich hinsichtlich der gesundheitlichen und sittlichen Aspekte und stellt die Qualität sowie eine geringere, angemessene Quantität in den Vordergrund. Bei den heutigen Schicki-Micki-Gourmets bewegt sich die mitgebrachte Sachkenntnis dabei jedoch meist auf einem unglaublich niedrigen Niveau. Man ißt eben, was „in“ und teuer ist. Alleine dadurch gehört man vermeintlich schon zur besseren Gesellschaft. Im Vergleich zum Gastrosophen kann der Gourmet zwar schon etwas lockerer mit der Gabel umgehen, aber so richtig frei ist auch er nicht wirklich.
Ob gesund oder sittlich, dem Gourmand ist es egal. Der Gourmand erschrickt auch nicht, wenn sich das Gäbelchen mal ein bißchen durchbiegt, nur wirklich gut muß es sein. Zudem muß er sich auch nicht andauernd mit einer bei ‘wahren’ Gourmets leider weit verbreiteten Scheinkenntnis herumplagen. Es kommt eben nur das auf die Gabel, was mundet. Was nicht schmeckt oder den persönlichen, qualitativen Ansprüchen nicht genügt, wird nicht gegessen. Wenn es schmeckt, läßt es der Gourmand dann aber so richtig laufen und läßt es sich gut gehen. Da darf’s dann schon mal eine Portion mehr sein.
Ich lerne daraus, daß die Reklamationshäufigkeit vom Gastrsophen, über den Gourmet bis hin zum Gourmand abnehmen und die Genußfähigkeit dabei aber ganz drastisch zunehmen muß. Alleine schon der geringeren Anforderungen wegen, denen man sich als Gourmand beim Genuß selbst unterwerfen muß. Das oberste Kriterium ist der eigene Geschmack, nichts anderes. So gesehen bin ich gerne ein Gourmand. In diesem Sinne, packen Sie sich vor dem Meckern erst mal „locker was auf die Gabel“!
5 comments Dienstag, 12. August 2008
„Pig Out“ des Grauens
Es ist doch so einfach, es sich mal so richtig gutgehen zu lassen. Oder? Ihr glaubt mir nicht? Na, dann probiert doch mal Folgendes aus … am besten bei ansteigendem Hungergefühl … nachts vor’m Kühlschrank … :
Sie benötigen:
1 Packung „Hausmacher Buffet“ – (natürlich) Spitzenqualität (150g) der Handelsmarke „Gebirgsjäger“ (Fa. Stockmeyer GmbH, 48333 Sassenberg)
(beinhaltet folgende Pig-Komponenten:
- Schinkenleberwurst
- Delikatess Rotwurst
- Delikatess Sülze
- Gekochte Mettwurst)
1 Roggenpfünderle (500g)
Vorbereitung: 4 Brotscheiben Roggenpfünderle zurechtschneiden (funktioniert am Besten mit einem handelsüblichen Brotmesser), Kühlschrank öffnen (je nach Tageszeit vielleicht bereits eine Herausforderung), „Hausmacher Buffet“ mit gekonnter Drehung aus dem Kühlschrank entnehmen (die Drehung kaschiert Einiges), „Hausmacher Buffet“ öffnen (sofern man die nervige Plastiklasche zu fassen kriegt – ansonsten: hastig mit den Zähnen die Schutzfolie flächig aufknabbern), jede der vier „Pig-Komponenten-Sorten“ gierig mit den Händen aus der Plastikkachel herausgrabschen, die jeweilige „Pig-Komponente“ andächtig auf eine der vier Roggenpfünderle-Brotscheiben legen, Augen schließen, reinbeißen und so lange nicht damit aufhören, bis alle Scheiben im Strang der Gedankenlosigkeit durch den Hals geflutscht sind … ;-)
Reicht garantiert für vier lächerlich belegte Brote, gibt Kraft für neue Taten und wenn’s nicht reicht: Es bleibt ja noch genügend vom Roggenpfünderle übrig, das man sich zusätzlich – bis zum Erreichen einer erträglichen Sättigung – noch hemmungslos in’s Gesicht stopfen kann … ;-)
Variationen: Einen satten „Klacks“ Senf auf jedes der belegten Roggenpfünderle-Schnitten draufklatschen (*herrlich*). Bierchen (oder sonstige Alkoholika, die gerade griffbereit sind) simultan zum Verzehr der Pig-Schnitten in den Kopf kippen. Schmeckt handfest.
Auf daß uns niemals der Frohsinn, die Schweinderl und das Brot ausgehen mögen … und nicht zu vergessen: Der Senf ist doch das tatsächliche i-Tüpfelchen des Lebens … ! ;-)
P.S.: Ach ja, „pig out“ bedeutet angeblich so etwas wie „richtig fressen“.
Add comment Freitag, 25. Juli 2008
